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Turi Rensch 10 Jahren - Nachruf
19 September, 1945 -23 Juni, 2002
Es geschah in der Nacht von Samstag auf Sonntag am 23. Juni 2002 auf der Heimreise von dem Konzert in Le Col-des-Roches mit
Tony Lewis & the Shooters. Der Bassist Turi Rensch verunglückte tödlich bei einem tragischen Unfall.
Turi musizierte seit 40 Jahren in verschiedenen Bands in der Schweiz. Hauptsächlich spielte er bei der Tanzband "Sunrise". Im Jahre 1994 habe ich ihn kennengelernt. Er besuchte mich in meinem damaligen Wohnsitz in Bollingen (SG). Es ging um seinen Beitritt bei den "Shooters" und wir tasteten uns erstmals musikalisch ab. Es entstand eine richtige "Jamsession", die über eine Stunde dauerte. Ich war mir sicher, dass er ein guter Bassist ist. Doch noch mehr überzeugte er mich mit seiner positiven und gewinnenden Persönlichkeit. Er hatte das ansteckenste Lachen, dem ich je begegnet bin und eine humorvolle, trockene schon fast ironische Art, die man einfach gern haben musste.
Ich packte die Chance und engagierte Turi als neues Mitglied der "Shooters ". Ende der Saison von 1994 begann er bei der Band Bass zu spielen.
Seit diesem Tag war er ständig an meiner Seite. Er begleitete uns an hunderte von Konzerten nicht nur in der Schweiz. Wir reisten nach Frankreich, Italien, Spanien, Österreich, Deutschland, Norwegen und Schweden und machten Musik. Turi war auch mein Duettpartner an vielen weiteren eher kleineren Auftritten. Er war nicht nur ein zuverlässiger und stilvoller Bassist, sondern ebenfalls ein guter Harmoniesänger.
Ich kannte keinen anderen Menschen, der eine solch positive, hilfsbereite, grosszügige und liebevolle Einstellung zum Leben hatte und lebte. Es ist schon fast unwahrscheinlich, dieses Glück noch einmal zu erleben. Jeder, der Turi kannte, weiss, dass dies nicht bloss schöne Worte sind, weil er uns so plötzlich verlassen hat. Der Turi ist einmalig und wird es immer bleiben. Wenn ein Teil des technischen Materiales auf der Bühne nicht mehr funktionierte, verschwand dieses Teil. Jedoch nicht für immer. Es wurde von Turi ohne Worte repariert und beim nächsten Gig wieder funktionstüchtig mitgebracht. Mit netten Worten umschrieb er, dass meine Reifen vom Jeep nicht mehr die besten sind. Sofort organisierte er neue Reifen zum viertel vom Preis, den man normalerweise
bezahlen würde. Ich kam zurück aus den USA mit einem neuen "Tony Lewis & the Shooters" Spanner. Turi erfand gleich für den darauf folgenden Gig eine patente Lösung den Schriftzug aufzuspannen, die wohl Generationen überleben wird. Wieviele Male spielte Turi seinen Bass mit grosser Freude, unterstützte mich bei kleineren Konzerten oder privaten Anlässen, auch wenn es keine Gage zu verteilen gab.. ? Ich, und sicherlich jeder, dem Turi jemals begegnet
ist, könnte endlos viele solcher wunderbaren Geschichten erzählen. Falls er jemals "nein" gesagt hat, musste es für Turi wirklich unmöglich gewesen sein, diese Bitte zu erfüllen.
Zusammen mit Turi und meinem engen Freund und Schlagzeuger Gianco Fucito fühlten wir uns wie in einer kleinen Familie und gingen durch "dick und dünn". Doch ohne den Einfluss von Turi's beruhigender und harmonisierender Persönlichkeit, wäre ab und zu eine Unstimmigkeit nicht wieder ins Lot gekommen. Andere "Familienmitglieder" schätzten ihn ebenfalls sehr: Giampiero Colombo, Susan Orus, Doris Ackermann, Lorenzo Trottmann, Lionel Wendling und Bernie Suter. In Folge von weiteren traurigen Ereignissen ist es noch heute nicht verständlich und kaum zu verkraften, dass noch zwei ganz wichtige Familienmitglieder zu früh von uns gegangen sind; der Gitarrist Tom Wilson und Steeler Helmi Schöni. Ein kleiner Trost: Turi ist in guter Gesellschaft.
Eigentlich hätte Turi am Samstag nicht nach Le Col-des-Roches kommen müssen. Seine Mutter hatte einen Herzinfarkt in der vorhergehenden Nacht und lag im Sterben. Turi wollte die Band und das Publikum nicht enttäuschen und fuhr mit uns zum Konzert, obwohl er wusste, wie kritisch der Zustand seiner Mutter war. Er wollte nach dem Konzert sofort zurückfahren, um bei ihr zu sein. Dies hatte bestimmt auch einen Einfluss auf den Vorgang dieses tragischen Unfalles um 2 Uhr morgens zwischen Baden und Zürich. Vielleicht hat er gespürt, dass ihm nicht viel Zeit blieb, um sich bei seiner Mutter zu verabschieden. Sie verstarb 2 Stunden nach seinem Unfall.
Giampiero und Gianco, fuhren mit Turi vom Gig nach Hause. Er parkte sein Auto auf der anderen Seite der Autobahn. Sie insistierten, dass sie ihn auf die andere Seite der Autobahnrastätte in Würenlos fahren würden, da das Risiko zu gross sei, die Autobahn zu Fuss zu überqueren. Es hätte sich dabei um einen Umweg von ca. 14 km gehandelt. Doch Turi wollte niemandem Umstände machen und wollte das nicht, packte seine Tasche und machte sich auf den Weg. Er hätte dies schon mehrmals gemacht und es sei kein Problem.
Einige Geschichten stimmen nachdenklich rund um den Tod von Turi:
- Am Wochenende vom 23. Juni waren Hotelzimmer für uns alle bereit. Doch durch die unstabile gesundheitliche Lage seiner Mutter, wollte Turi so rasch als möglich nach hause.
- Ein Mann, der sein Leben lang einer der gefährlichsten Arbeiten ausführte (Kranführer), hat die Tendenz, vorsichtig zu sein. Aber wer hätte damit
gerechnet, dass in dem Moment, wo er die Autobahn überqueren wollte, ein schwarzes Fahrzeug der Polizei mit 180 km/h auf der überholspur zu einem Einsatz raste?
- Seit unser Freund Tom Wilson letzten Monat beerdigt wurde machte Turi immer wieder einen eher makaberen Witz: "Nun, die haben den Helmi und nun auch den Tom im Himmel, doch auf den Bassisten muss eine Weile gewartet werden!"
- Und schlussendlich, nach einigen Monaten, entschloss ich mich, den Lieblingssong von Turi wieder ins Programm aufzunehmen. Wir spielten ihn zum ersten Mal seit langer Zeit am Samstag, als letzten Song, als Zugabe. Turi war so glücklich und schwärmte bei Gianco als er die Bühne verlies: "Es fühlt sich an, als hätte ich heute meinen Geburtstag!" Der Song heisst: "Ain't dead yet", soviel wie: "Ich bin noch nicht tot".
Unser gemeinsames Konzert am Int. Country Festival in Le Col-des-Roches fühlte sich gut an. Wir waren alle sehr motiviert und inspiriert, dass wir an einer der noch übrig gebliebener, eher wichtigen Festival in der Schweizer Countryszene
spielen durften. Turi war in seiner guten Stimmung und vollgespickt mit seinen ironischen Witzen. Er spielte wunderbar, harmonierte mit Gianco und sang hervorragende Harmonien. Wir erlebten lustige Momente auf der Bühne, waren locker drauf und spürten den guten Sound unserer Band. Niemand hätte gedacht, welche Probleme Turi in dem selben Moment mit sich trug. Er war ersichtlich glücklich, dass er einige Stunden mit uns auf der Bühne teilen durfte.
Heute, in diesem Moment ist es für mich unvorstellbar, die Bühne ohne Turi zu betreten. Er war zu lange ein Teil meines Lebens und meiner musikalischen Ausdrucksweise. Doch wie man im Showgeschäft sagt: "The show must go on"! Dies war auch das Motto von Turi und wäre auch heute bestimmt in seinem Sinn und Geiste. Wir werden unsere geplanten Konzerte in diesem Jahr realisieren und starten mit dem ersten Konzert wieder am 4. Juli in Genf. Imbi Gassmann, ein hervorragender Bassist und langjähriger Freund von Turi, hat sich bereit
erklärt, den Job vorübergehend zu übernehmen. Ich danke ihm für seine Hilfsbereitschaft.
Ich möchte mein herzlichstes Beileid und Mitgefühl ausdrücken und denke dabei ganz fest an Turi's wunderbare Ehefrau Antoinette, seine Töchter Sonja und Angela, die beiden Söhne Christian und Patrick, Dölf Korner und Turi's Arbeitskollegen seines "Tagesjobs".
Turi, in der Zeit, die wir mit Dir erleben durften, wurdest Du von Herzen geliebt. Wir werden Dich mehr vermissen, als Worte jemals ausdrucken können.
See you, old buddy.
Tony  (25 Juni, 2002)
Übersetzung: Susan Orùs